Montag, 01.05.2017

Mein Jahr in Peru

Ein Jahr in Peru ist nun um. Es war das Jahr meines Lebens mit den meisten Eindrücken. Es gab Höhen und Tiefen, tolle Gemeinschaft, große Freude und tiefste Trauer, wir waren auf hohen Bergen und Gletschern, an Seen und Lagunen, am Meer, in der Wüste und im Dschungel, standen unter eiskalten Duschen und haben uns Sonnenbrände geholt, ich habe erst überall nur Spanisch verstanden und jetzt verstehe ich Spanisch, ich habe viele unglaubliche Menschen kennengelernt und viele neue Freunde und eine neue Familie gewonnen – es ist einfach unglaublich, was alles in 379 Tagen passieren kann.

Es gibt wirklich tausende Dinge, die ein Auslandsjahr ein einzigartiges Erlebnis werden lassen, die einen an seine Grenzen bringen und einen so stärken, neues Selbstbewusstsein geben und einem Helfen sich zumindest ein bisschen mehr klar zu werden, was man mal machen und erreichen will!

Das Jahr über habe ich viele Blogbeiträge geschrieben und euch versucht mein Leben auch mit möglichst vielen Bildern nahe zu bringen und hoffe, dass das funktioniert hat. Daher will ich versuchen mich nun relativ kurz zu fassen und mein Leben, dieses Jahr ein bisschen nochmal Revue passieren zu lassen, aber etwas geordnet und wie geht das besser, als mit Listen? ?

Das vermisse ich aus Peru:

  • Eindeutig das Leben in unserer Kunterbunten 8er und 13er WG!
  • Natürlich alle Kinder, Mitarbeiter und Beneficiarios aus dem Projekt, die mir in dem Jahr ans Herz gewachsen und wie eine zweite Familie für mich wurden
  • Der Mercado mit seinen ganzen Ständen und netten Verkäufern, das Preiseverhandeln und Produkte verkosten
  • Camionetta fahren, vor allem hinten auf der Ladefläche stehen und sich einfach frei fühlen
  • Die Landschaft in Peru und in den Nachbarländern, die ich in diesem Jahr erleben und sehen durfte, wobei mich die Vielfältigkeit einfach von den Socken gehauen hat (Wüste, Strand, Dschungel, Berge, Gletscher, Seen und Flüsse, Salzwüste, aber auch die Städte und Dörfer)
  • Die Collectivofahrten waren zwar häufig auch anstrengend und sehr eng, aber doch auch jedes Mal ein Erlebnis, da man nie weiß was für einen Fahrer man erwischt hat, wer die Mitfahrer sind (natürlich die verschiedensten Menschen, aber auch Tiere, wie Meerschweinchen Ziegen oder Hühner)
  • Der Gletscher direkt vor der Haustür, der einen jeden Morgen begrüßt
  • Die unglaubliche Tierwelt Perus mit Kolibris Alpakas und Vicunjas, aber auch einfach den Straßenhunden, die in Gangs durch die Straßen ziehen, den Ochsen, Ziegen und Schweinen, die einfach über den Weg spazieren, da sie nicht eingezäunt sind und unser Lieblingshund Suyaq, der uns bis zum Ende hin treu blieb!
  • Auch die Sprachen Spanisch und Quechua vermisse ich, selbst wenn ich lange nicht alles verstanden habe sind mir diese Sprachen übers Jahr auch ans Herz gewachsen, auch wenn das irgendwie schwierig zu erklären ist
  • Das suuuuper leckere Obst, allen voran Mangos und Maracujas, die wir uns jeden Tag auf dem Markt gekauft haben und so lecker waren, dass ich auf einmal sogar Bananen mochte!
  • Auch die ganzen Essensstände auf der Straße werde ich vermissen, denn so ist man nie hungrig und bekommt für kleines Geld sehr leckere Speisen, wie Papa rellena, oder Fleischspieße, verschiedenste Kartoffelarten und natürlich Choclo con queso, aber auch Popcorn oder Zuckerrohr zum knabbern
  • Dazu kommt natürlich noch allgemein die peruanische Küche, die mich begeistert hat!
  • Die kleinen Basteltiendas am Markt sind mir auch ans Herz gewachsen, wo ich einfach stundenlang stöbern konnte, wobei ich mir die verschiedensten Knöpfe, Schnüre und Papiere angeschaut habe
  • Und der frische Obstsaft auf dem Markt, für 5 Soles, so ungefähr 1,50 Euro, wobei man einen Liter frischen Saft aus Mangos, Bananen, Äpfeln, Orangen, ein bisschen Karotte und/oder Rote Beete bekam, das perfekte Frühstück!

 Und das hier werde ich wahrscheinlich eher nicht vermissen:

  • Unsere Gletscherdusche, die einem das frischeste und kälteste Wasser zum Duschen bereitstellte, so dass man beim Haarewaschen Kopfschmerzen bekam
  • Den Schlafsack, in dem ich ein Jahr lang geschlafen habe! Er hat mir zwar sehr gute Dienste geleistet, aber jetzt freue ich mich schon auf eine Decke
  • Taranteln in der Wohnung
  • So süß manche Straßenhunde(gangs) auch waren, so bin ich doch auch froh, dass es in Deutschland nicht so viele und vor allem so aggressive Hunde gibt, denn das hat mir manchmal schon ein bisschen Angst gemacht, auch wenn nie etwas passiert ist
  • Das Freiwilligenhaus habe ich echt geliebt und es wurde zu meinem neuen Zuhause, aber ich habe mir schon einige Male eine Heizung, oder zumindest eine Isolierung gewünscht, denn es ist wirklich das ganze Jahr kalt im Haus gewesen, was wiederum unsere Kaminabende noch schöner gemacht hat
  • Sonst fällt mir hier nichts mehr ein, nur noch Kleinigkeiten, wie kurzweilige Stromausfälle oder schlechte Internetverbindungen ?

Hier war ich überall in diesem Jahr:

  • Allgemein in Peru, Bolivien, Chile und Brasilien
  • In Peru war ich an allen möglichen Orten im Valle Sagrado, in und um Cusco und auf dem Machu Picchu
  • Ich habe eine Rundreise gemacht, wobei wir in Cusco, am Titicacasee, in Arequipa, im Colca-Canyon, bei den Nazca-Linien, an den Islas Ballestas bei Ica und in Lima gewesen sind
  • Ich war in den Bergen um HuarazHHuaraz auf dem Santa Cruz Trek wandern
  • Habe mich durch den peruanischen Dschungel geschlagen
  • Habe mit meiner Schwester eine Jeeptour durch das Salar de Uyuni unternommen
  • Quillabamba mit ganz Munaychay und auch als Gruppenevent
  • Zudem noch alle anderen Gruppenevents an den Unterschiedlichsten Orten
  • Und bestimmt einiges, was mir gerade nicht einfällt, weil es so viel war!

Tiere, die ich getroffen habe:

  • Tausende Alpakas und Vicunjas
  • Kolibris
  • Meerschweinchen, also Cuys (auch ein Mal gegessen…mhmmm)
  • Kühe, Pferde, Esel, Ziegen, Schweine, Hühner und Hunde, die einfach zu jedem Haushalt quasi dazu gehören
  • Hunderte Flamingos und einen Wüstenfuchs in Bolivien
  • Papageien und viele andere farbenfrohe Vögel, Affen, Schlangen, einen Alligator, viiiiele Insekten und Spinnen und riesige Schmetterlinge im Dschungel
  • Kondore
  • Pinguine, Pelikane, Blaufußtölpel, Seelöwen und/oder -robben und tausend andere Vogelarten auf den Islas Ballestas

Tja, so könnte das ewig weiter gehen! ?

Daher schlage ich vor, dass, wenn ihr noch mehr wissen wollt, ihr mich einfach ansprecht oder schreibt und ich versuche dann mein bestes euch alles beantworten zu können!

Für mich steht auf jeden Fall fest: es war die beste Entscheidung meines Lebens ein Auslandsjahr zu machen und ich fand es einfach Spitzenklasse und ich empfehle es jedem, so eine Möglichkeit auch wahrzunehmen, da man in solch einem Jahr wirklich unglaublich viel lernt und für sich mitnimmt und das etwas ist, was einem nicht mehr genommen werden kann.

Danke, dass ihr so fleißig meinen Blog gelesen habt und vielen Dank für alle eure Mails, Briefe und Telefonate, die mich das ganze Jahr über erreicht haben!

Liebe Grüße, Selma

Montag, 01.05.2017

Peru versus Deutschland

Kurz nachdem ich aus dem Flieger am Frankfurter Flughafen gestiegen bin ist der Kulturschock über mich hergefallen und als ich mit meiner Familie in die Flughafengarage gegangen bin, um da in unser „schickes“ Auto zu steigen und kurz darauf mit 120 km/h über die Autobahn zu fahren wusste ich gar nicht, wie ich damit umgehen sollte, da ich so etwas seit über einem Jahr nicht mehr erlebt hatte. Und auch in den folgenden Tagen musste ich einfach immer mal wieder mit offenem Mund irgendwo stehen bleiben, innehalten und mich umsehen, um das alles hier neu zu begreifen.

Was mich so überrumpelt hat waren einfach die riesigen Unterschiede und die Tatsache, dass ich in Deutschland aufgewachsen bin, mich aber auch innerhalb des einen Jahres so unglaublich wohl gefühlt und in Peru eingelebt hatte.

Einige dieser Unterschiede werde ich nun anhand von Fotos für euch darstellen, damit ihr es am besten nachvollziehen könnt! ?

Natürlich haben mich als erstes, wie schon erwähnt, die Autos und Straßen umgehauen:

Peru:

 

Deutschland:

An meinem zweiten Tag in Deutschland hat mich meine Schwester nach Frankfurt entführt und da war ich dann vollkommen von der U-Bahn, den Unterirdischen Haltestellen mit riesigen Fernsehern, die Werbung abspielen und dann von den Hochhäusern überrumpelt, denn aus Peru kannte ich unsere Filmabende am Laptop und die ganzen Lehmhütten…

 Peru:

Deutschland:

Und als ich dann das erste Mal Lebensmittel einkaufen gegangen bin hat das nicht halb so viel Spaß gemacht, wie in Peru, denn fast alle frischen Lebensmittel waren in Plastik eingepackt, die Preise waren nicht verhandelbar und die Verkäuferin hatte nicht das geringste Interesse an einem kleinen Gespräch. Das einzig tolle war das riiiesige Regal voll mit verschiedensten Schokoladen ?:

 Peru:

 

Deutschland:

Inzwischen habe ich allerdings auch diesen Kulturschock wieder überwunden und fühle mich auch in Deutschland wieder ganz wohl, obwohl für mich eines ganz klar ist: Ich werde auf jeden Fall wieder mal nach Peru reisen!

Sonntag, 31.07.2016

Peruanische Namen

Hallo, da ich es das ganze Jahr über leider nicht geschafft habe diesen Blogeintrag zu verfassen hole ich das jetzt nach - Namen in Perú. Das vergangene Jahr sind mir viele Namen über den Weg gelaufen: In Schulen, die Arbeiter, aber vor allem natürlich die der Kindern in Munaychay.

In diesem Eintrag werde ich die Namen in folgende 3 Kategorien einteilen:

"häufigster Name"

"witzigste Namen"

"religiöse Namen"

 

Der häufigste Name in Perú scheint mir "Luis" zu sein. Der eine Fahrer aus unserem Projekt heißt Luis, das Gym in Urubamba gehört einem Luis und im Kinderdorf gibt es Luis Fernando, Luis Alberto, Luis Angel und Luis Omar. Schaut man sich die häufigsten Nachnamen an, so zählen dazu eindeutig die Nachnamen Huaman und Quispe.

Dann gibt es aber auch einfach nur witzige Namen, wobei bei uns der Nachname "Puma Puma" sehr beliebt war, dann noch Amilcar, einfach weil es immer wie Milka (also der Schokolade) klingt und als letztes, mein absoluter Favorit, ist der Name "Froilan" (sprich: Fräulein).

Eine unglaublich große Namenskategorie ist die Kategorie "religiöse" Namen. Es gibt in Perú Unmengen an Menschen, die als einen von zwei Vornamen "Angel" heißen, also Engel. Dann gibt es auch noch so schöne Vornamen, wie etwa "Maria Jesús" und dann noch neu erschaffene Namen, wie etwa "Evangelina" oder "Diosdado" (Gottgegeben).

 

In zwei Wochen werde ich dann meine voraussichtlich letzten Blogeinträge veröffentlichen, zum Thema Abschied in Perú und Kulturschock Deutschland, aber jetzt bin ich erstmal im Urlaub. :D

Euch allen eine schöne Zeit!

Selma

 

Donnerstag, 28.07.2016

Wegzeichen 10

Ich bin vom Erleben begeistert.
Es gehört für mich dazu, an Dingen, Menschen und Geschehen teilzunehmen, zu reisen, Abenteuer wagen zu können, das Staunen nicht zu verlernen, und das Entdecken nicht zu verlieren. Auch im Unterwegssein genieße ich es, den Augenblick bewusst wahrzunehmen.

Das Jahr hier in Perú war einfach ein Jahr voller bewusster Erfahrungen und Erlebnissen, voll Höhen und Tiefen, Trauer und Glück und mit unglaublich vielen tollen Momenten und Menschen.

Vor allem ging es mir dieses Jahr darum im Jetzt zu leben und das habe ich geschafft und es ist eine der Sachen, die ich mir auf jeden Fall aus diesem Jahr mitnehmen und nicht wieder verlieren möchte, denn dadurch ist das Leben viel schöner und reicher an Dingen, Momenten und Begegnungen, als wenn man an die Vergangenheit denkt und seine Zukunft plant. 

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Tag, genießt das Wetter, die Gespräche, die ihr heute führt und die Begegnungen mit allen Menschen und Tieren!

Freitag, 22.07.2016

(Physische) Ankunft in Deutschland

Am 22. Juli kamen wir mit etwas Verspätung abends am Frankfurter Flughafen an, mit all unserem Gepäck, vielen Mitbringseln und noch mehr Erinnerungen und Erfahrungen, die wir das vergangene Jahr über gesammelt haben.

Das heißt – ich bin wieder da, hier in Deutschland, zumindest physisch, denn so richtig verstanden, dass dieses tolle Jahr jetzt vorbei sein soll, habe ich es noch nicht wirklich. Die Überforderung in Kombination mit dem Kulturschock, der mich hier wie ein Schlag ins Gesicht getroffen hat ist komplett präsent und ich hoffe, dass ich es mit der Zeit schaffe hier wieder anzukommen, mit dem Leben hier klarzukommen und nicht zu frustriert bin. Denn bis jetzt will ich am liebsten gleich wieder zurück, in meine WG, zu den netten Mitarbeitern und zu den Bergen und Gletschern, mal ganz davon abgesehen, dass ich hier in der Hitze einfach nur vor mich hinschmelze und meine Produktivität dadurch auf ein Minimum geschrumpft ist. :D

Da ich in meinem Jahr in Perú häufig so viel erlebt und erfahren habe, aber auf der anderen Seite nicht noch die Zeit hatte alles aufzuschreiben, werden jetzt in den nächsten Tagen noch ein paar „Nachtrags-Blogeinträge“ kommen, also schaut weiterhin immer mal wieder vorbei, ich grüße euch alle und danke, dass ihr dieses Jahr mit mir geteilt habt!

Eure Selma

Montag, 18.07.2016

Der „zweitschönste Sonnenaufgang der Welt“

In der Nacht auf Sonntag habe ich mich spontan dazu entschlossen mit ein paar anderen ins vier Stunden entfernte Paukartambo zu fahren, wo es angeblich den zweitschönsten Sonnenaufgang der Welt gibt.

Wir machten uns abends um 11.30 Uhr auf den Weg und fuhren los. Zuerst hörten wir Musik, dann schlief ich ein. Nach mehreren Stunden unruhigen Schlafs, die Straße war sehr schlecht mit vielen Hubbeln und Löchern, waren wir dann hinter Paukartambo beim Aussichtspunkt „Tres Cruces“, obwohl dort kein einziges Kreuz stand. :D

Hier stiegen wir aus dem Auto und liefen auf eine kleine Anhöhe und betrachteten von dort die Wolkendecke unter uns, die den Blick ins Tal versperrte. Es war eine tolle Atmosphäre und hinter der einen Bergkette sah man auch schon einen leichten gelben Schimmer, der zu intensivem orange und später pink wurde. Mit der Zeit wurde auch alles andere immer heller und die ersten Colectivos und Touristenbusse begannen wieder weg zu fahren…

Da mussten wir dann leider feststellen, dass man heute den Sonnenaufgang nicht gesehen hat, da zu viele Wolken da waren, allerdings muss ich sagen, dass sich die Fahrt trotzdem gelohnt hat, denn wir haben zwar keinen tollen Sonnenaufgang gesehen, dafür aber einen „Wolkenaufgang“ und ich habe noch nie so viele verschiedene und interessante Wolkenarten auf einem Fleck gesehen. Zudem war die Wolkendecke, die unten langsam brüchig wurde, auch total faszinierend, denn darunter konnte man den Dschungel sehen, denn unten im nächsten Tal erstreckt sich der Manu Nationalpark und am liebsten wäre ich einfach den Hang hinuntergerannt, um wieder im Dschungel zu stehen!

Um sieben Uhr morgens machten wir uns dann wieder auf den Heimweg.

Fotoimpressionen:

 

Sonntag, 10.07.2016

Auszug aus dem Volluhaus

Wie räumt man ein Haus leer und hinterlässt es ordentlich, wenn man sieben Personen hat, die darin ein Jahr gewohnt haben und nur gut 24 Stunden dafür Zeit haben?

Die einzelnen Zimmer: Jeder räumt zuerst sein eigenes Zimmer leer und bringt die Koffer anschließend zur neuen Unterkunft. Das ist irgendwie ziemlich frustrierend und sehr emotional sein ganzes Leben hier wieder in zwei Koffer zu packen, wobei man in drei Kategorien unterschiedet „Nehme ich mit nach Deutschland und brauche ich hier nicht mehr“; „Lasse ich hier (für die Kinder oder die neuen Vollus)“; „Brauche ich jetzt noch und lasse es anschließend entweder hier oder nehme es mit nach Deutschland“. So leert sich das Zimmer was Kleidungsstücke anbelangt. Aber dann gibt es ja noch den ganzen Kleinkrams, Bücher, Briefe, Fotos, Schmuck, Kalender, Kissen,… Nach vielem hin und her im Kopf entschließe ich mich dazu vieles einfach wegzuschmeißen oder hier zu lassen oder den Kindern zu schenken und nur einen kleinen Teil mitzunehmen. So ist das Zimmer anschließend komplett leer und bereit einmal ordentlich gereinigt zu werden.

Schrank vorher/nachher:

Zimmer vorher/nachher:

Hochebene vorher/nachher:

 

Die allgemeinen Wohnbereiche:

Natürlich müssen auch alle anderen Wohnbereiche geputzt werden, wie das Wohnzimmer, Küche, Flure und alle Bäder. Auch die Regale haben wir ausgemistet und neu sortiert. Ansonsten wird der Boden gefegt, geschrubbt und gewischt, alle Ablageflächen ordentlich mit Allesreiniger eingeweicht und anschließend geputzt, Spiegel und Fenster werden gereinigt, die Bäder geputzt. Als wir fertig sind und auch alle Müllsäcke draußen sieht die Wohnung echt ungewöhnlich aus, denn so sauber war es gefühlt noch nie und wird es auch nie wieder sein,  bis man die Wohnung wieder für die neuen Vollus herrichtet. :D

Anne macht nochmal eine Fotosession, da uns aufgefallen ist, dass wir noch nie so wirklich Fotos von unserem Haus gemacht haben. Und dann machen wir die Tür zu und erwarten die neuen Vollus…

Sonntag, 10.07.2016

Meerschweinchen -. Haustier oder Essen?

Das ganze Jahr über habe ich mich gedrückt Meerschweinchen, also Cuy, zu essen. Die alten Voluntarios hatten uns vorgeschwärmt wie unglaublich lecker es sei, aber die Tatsache, dass ich Meerschweinchen in Deutschland als Haustiere viele Jahre lang hatte hat mich doch irgendwie davon abgehalten, sie zu probieren. Der andere Grund, was mich an diesem Gericht abgeschreckt hat, ist, dass die Meerschweinchen, die in Restaurants angeboten werden, nicht nur unglaublich teuer sind, sondern auch so angerichtet werden, dass das Cuy am ganzen Stück, geröstet oder gebraten, auf deinem Teller liegt, also mit Kopf und Füßchen.

Am Sonntag hatte mich meine Tía zu sich nach Hause eingeladen, denn das hatte sie mir an meinem Geburtstag als Geburtstagsgeschenk versprochen. Also ging ich zu ihr in ihr Haus und hier quatschten wir eine Weile, sie zeigte mir ihre Küche, die Meerschweinchen, den Hinterhof mit zwei Kühen und einem Kälbchen,…

Es war ein sehr schöner Nachmittag mit vielen lustigen Gesprächen, aber das Hauptthema war natürlich das Cuy: wie man es zubereitet, wie man sie tötet, welche man nimmt (männlich oder weiblich), wie alt sie werden und vieles mehr!

Am Ende war das Cuy dann fertig, nachdem es 40 Minuten im Topf in seinem eigenen Saft geköchelt hatte und ich bekam das größte Stück (Brust mit zwei Beinen) zusammen mit drei Kartoffeln und scharfer Chilisauce serviert. Ich starrte den Teller etwas hilflos an und begann erstmal damit meine Kartoffeln zu schälen. Dann schaute ich wieder das Cuy auf meinem Teller an. Die Tía und ihr Mann lachten einfach nur und erklärten mir dann, wie man es am besten isst – mit den Fingern, erst die Haut, dann den Rest. So machte ich es auch und es hat…

… super lecker geschmeckt! Es war hervorragend gewürzt, knusprig und das Fleisch sehr saftig. :D

Da ich nicht gut darin bin „Geschmäcker“ zu beschreiben belasse ich es einfach dabei und ihr bekommt nur noch die Fotos!

 

Samstag, 09.07.2016

Wegzeichen 9

Ich will dort helfen, wo ich gebraucht werde.

Warum machst du das hier? „Weil ich endlich etwas geben und nicht immer nur nehmen will.“ – sage ich in dem Freiwilligenfilm, den wir dieses Jahr gedreht haben. Warum macht man so ein Jahr hier, fern von zu Hause in einer anderen Kultur? Einer der Punkte ist natürlich, dass man helfen will. Man will andere Menschen unterstützen, ein Projekt voranbringen, den Menschen ein offenes Ohr schenken.

Dazu eignet es sich natürlich in einer Hilfsorganisation zu arbeiten. Ich habe mich für Corazones para Perú entschieden, weil ich einfach das Angebot hier besonders gut fand. Normalerweise, so wie ich es gesehen habe, gibt es viele Projekte, die ein Kinderheim haben, aber sonst nichts. Bei Corazones hatte ich aber die Möglichkeit in viele verschiedene Bereiche zu schauen und unterschiedlichen Menschen zu helfen (Kleinkindern, Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen).

Hier in Peru habe ich auch wirklich das Gefühl gebraucht zu werden. Es sollte aber nicht Voraussetzung sein möglichst weit weg von zu Hause zu helfen, denn auch zu Hause ist nicht alles perfekt und nicht alles was wir haben und können ist zwingend gut für andere Menschen in anderen Kulturen, was man aber auch erst lernen muss.

Donnerstag, 07.07.2016

Wie die Zeit verrinnt… (Teil III)

Vor genau einem Jahr sind wir als neue Vollus in Cusco/Perú gelandet. Es kommt mir vor wie gestern, als wir aus dem Flugzeug stiegen und uns müde und erschöpft früh morgens durch den kleinen Flughafen Cuscos schleppten, unser Gepäck abholten und dann aus den Türen traten. Wie der erste Eindruck war „Oh nein, warum habe ich das bloß gemacht? Wenn es da, wo wir wohnen und arbeiten werden, auch nur annähernd so hässlich aussieht, dann reise ich schnell wieder ab (wir fuhren gerade durch die äußeren „Slum“-Gebiete Cuscos) und wie alles so neu und aufregend war.

Nun, auf den Tag genau, ein Jahr später sind wir die alten Hasen, die alles kennen und wissen wie es läuft, wir beherrschen nun alle Spanisch, kennen die Preise, haben die Landschaft erkundet und sind tausende Male nach Cusco gefahren und haben die Stadt gut kennengelernt und ich finde hier nichts mehr hässlich, sondern einfach normal.

Als wir heute die Neuen vom Flughafen abholten wusste ich nicht so recht, was ich fühlte, denn ich war auf jeden Fall neugierig, wie sie aussehen, wie sie reagieren, was sie für einen ersten Eindruck machen; auf der anderen Seite war ich einfach nur traurig, da man nun nicht mehr leugnen kann, dass unsere Zeit wirklich vorbei geht und wir bald hier weg müssen.

Natürlich ist die Zeit immer irgendwann abgelaufen, und vor allem jetzt wo ich gerade mein Zimmer komplett ausräume, da wir morgen hoch nach Haus 8 umziehen müssen, um den neuen Vollus Platz zu machen, würde ich am liebsten einfach den zweiten Koffer zu machen, nochmal eine Nacht auf meiner Hochebene schlafen und dann morgen nach Hause fliegen, denn jetzt ist die Zeit für mich abgeschlossen, ich habe wieder alles in Koffer gepackt, mein Zimmer ist leer und nicht mehr so wirklich „mein“ Zimmer, sondern mehr „ein“ Zimmer, denn alle Bücher, Fotos, Briefe, Kerzen, Vorräte sind in Tüten oder Koffern und so wirkt das Zimmer leer und unpersönlich. Das ist mein Abschluss und ich habe nicht wirklich Lust auf die nächsten zwei Wochen, wo man irgendwie arbeitet, aber doch nicht so richtig, wo man seine WG hat, aber doch nicht so richtig, wie man Zeit in seinem Haus verbringt, aber doch nicht so richtig…

Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Einführungszeit wird, wenn man nicht die Person ist, die eingeführt wird, sondern die einführt und ich werde euch sicher darüber auf dem Laufenden halten!

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